Statement: Braucht Wismar ein Kinder- und Jugendparlament?
Kurz:
Wismar braucht kein Jugendparlament, sondern eine sinnvolle Beteiligungsform, die jugendlichen Ansprüchen eher
gerecht wird, als bürokratischen. Beteiligung muss schnell, einfach und kontinuierlich funktionieren, damit
Jugendliche nicht die Lust an der Demokratie verlieren.
Die wichtige Frage nach Kinderbeteiligung haben wir leider vorerst ausklammern müssen.
Jugendbeteiligung ist wichtig - Wir sind unsere Zukunft.
Jugendliche können Verantwortung nur übernehmen, wenn sie sie erhalten. Sie müssen erfahren, dass ihre
Meinung nicht in der Masse untergeht und dass ihre Kreativität und ihre Organisationskraft wichtig sind.
Das können sie in konkreten Projekten besser, als in Ausschusssitzungen.
Wir:
Wir, der jupa föv, sind eine Gruppe bestehend nur aus Jugendlichen im alter von 15 - 23, die sich seit fast
zweieinhalb Jahren für eine Jugendbeteiligungsform in Wismar einsetzt. Alles was wir tun, organisieren wir
eigenverantwortlich. Wir beschäftigen uns seit 1998 dabei hauptsächlich mit der Frage, ob Wismar ein Kinder-
und Jugendparlament braucht. Dabei musste erstmal geklärt werden, was das ist. Wir entschieden uns, die Suche
auf ein Jugendparlament zu beschränken, da wir alle selbst Jugendliche sind.
So besuchten wir diverse
Beteiligungsformen in Norddeutschland, Jugendkongresse verschiedener europäischer Städte und organisierten
eigene Projekte, wie eine Ausländerkindertagsfeier im Tierpark, vier Jugendfragestunden, einen
Musik-Talentewettbewerb, eine Hip-Hop-Veranstaltung und verschiedene Seminare. Dabei arbeiten wir vor allem mit
dem Jugendmedienverband MV, dem Pfadfinderbund MV, dem Landesjugendring MV, dem Wismarer Jugendamt und
anderen wichtigen Organisationen zusammen. Wir haben das erste Landestreffen der Jugendbeteiligungsformen von
MV organisiert. Dieses fand in Zusammenarbeit mit dem Stralsunder Referenten Julian Smith(†) im Mai 2001 in
Wismar statt.
Vergleich:
Wir verglichen in unserer Arbeit zwei bekannte Modelle. Zum ersten die Beteiligungsform
"Jugendparlament"
(klare Struktur und Hierarchie, politische Anerkennung, Repräsentativität, regelmäßige Treffen, Wahlen,
Regelmäßigkeit, Kontrolle der Ergebnisse möglich). Beispiele sind Kinder- und Jugendparlamente in Bützow,
Wolfen und Neubrandenburg wobei fast alle Formen von den demokratischen Wahlen Abstand nehmen, weil sie sonst
keine Mitarbeiter mehr hätten. Zusätzlich sind die Jugendlichen durch langatmige Ausschusssitzungen genervt.
Außerdem gibt es eine Reihe von Jugendparlamenten die auf Grund ihres demokratischen Zwanges leider nicht
arbeitsfähig sind: Schwaan, Itzehoe und Boizenburg...
Zum zweiten die Beteiligungsform "Offene Form"
(freie zwanglose Gruppe bzw. bunter Kreis interessierter Jugendlicher, jeder kann mitmachen, keine klare
Hierarchie, außer evtl.einem Vorstand - bei einem Verein, der sich um die Finanzen und die rechtlichen
Grundlagen kümmert, keine politische Anerkennung).
Beispiele sind in Wismar oder Lübeck zu finden.
Wismar geht seinen eigenen Weg
Dabei sind wir zu dem Entschluss gekommen, ein neues Beteiligungsmodell in MV zu entwerfen. Das
"jugendForum"
wird im weiteren vorgestellt. Vorteile von JugendParlament und Offener Form werden möglichst vereint, keine
Wahlen, jeder kann mitmachen, flache Hierarchie, Anspruch an politischer Berechtigung.
Aktionen:
Mit Projekten wird Beteiligung sichtbar und erlebbar. Grundphilosophie ist also, dass die Jugendlichen zur
Lösung ihres Problemes selbst tätig werden. D.h. konkret, wenn sie in ihrem Stadtteil einen Basketballplatz
planen..., eine Wand zum sprayen freigeben... oder eine Party organisieren wollen - wir helfen ihnen dabei.
Aufbauend auf den letzten zwei Jahren streben wir eine gute Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung der
Stadt an, z.b. mit der Fortführung der Jugendfragestunden. Ein Blick in die Zukunft verrät, dass wir davon
träumen Stimmrecht in der Bürgerschaft zu erstreben. Es gilt der Grundsatz: Engagement muss Spaß machen. Die
Möglichkeit, dass Jugendliche sich an Stdtveranstaltungen nach eigenen Vorstellungen einbringen wird
unterstützt.
Art+Weise:
Der jupa föv möchte das jugendForum mit seiner Erfahrung im finanziellen, rechtlichen und organisatorischen
Bereich beratend begleiten. D.h. die Projekte laufen unter dem Titel jugendForum und der Träger ist der
jugendparlament förderverein. Eine gewisse Strukturierung im Hintergrund ist wichtig, damit die Jugendlichen
nicht wie wir vor 2 Jahren, bei null anfangen müssen. Jeder kann seine eigenen Ideen umsetzen - wir zeigen wie
es geht!
Man könnte die Arbeit des jugendForums mit der eines Jugendverbandes vergleichen. Allerdings bietet das Forum
eine wesentlich vielseitigere Plattform. Sie ist - gleich welcher Sparte - für alle Ideen offen. Die Aktionen
des jugendForums sind überkonfessionell, überparteilich und so unabhängig. Der Verein haftet und bietet den
rechtlichen Rahmen für alle Aktionen.
Wir nehmen an der Beteiligungskampagne des Landesjugendrings seit der Planung 1999 teil. Über den Partner JMMV
ist im gleichen Büro eine Moderatorin für Jugendbeteiligung ab 1.11.2001 angesiedelt, die methodisch und
fachlich den Aufbau des jugendForums und den Start der Aktionen unterstützt. Die Moderatorin wird parallel auch
Weiterbildungen für Mitarbeiter von Verwaltung, Abgeordnete der Bürgerschaft und in Trägern der freien
Jugendhilfe Tätigen anbieten. Die Moderatorin erfüllt einen ganz wesentlichen Punkt unserer Arbeit. Sie sichert
die Kontinuität. Die Mitglieder unserer Gruppe wechselten in den letzten Jahren oft schnell auf Grund von
Umzügen, Studium, Interessensverschiebungen. dabei können sich nur sehr schwer dauerhafte Ansprechpartner
herausbilden. Aber eben diese sind die Grundlage einer erfolgreichen Beteiligungsarbeit. Der Aufgabenbereich
der Moderatorin muss dabei noch genauer abgesteckt werden.
Zeit+Raum:
Das jugendForum besteht solange, wie diese Form als arbeitsfähig und erfolgversprechend eingeschätzt werden
kann. Jugendliche können sich jederzeit im Jugendhaus Scheuerstraße 1a
treffen. Mit der Anstellung der Moderatorin, wird das Büro regelmäßiger besetzt sein, als derzeit.
Gründung:
Die Gründung soll in zwei Schritten ablaufen. Wir wollen eine Gründungsfeier abhalten und eine Woche später
dem eine Gründungsfahrt anschließen.
Die Gründungsfeier:
Das sollte in Verbindung mit der Vergabe eines Namens für unser Bürohaus stattfinden. D.h. wir suchen Namen in
der Stadt, durch Gespräche mit jungen Leuten. Dabei laden wir auch zur Namensparty ein. Wir schätzen das findet
etwa 8 Wochen vor der eigentlichen Veranstaltung statt. Dann suchen wir den Namen aus und geben einem Designer
4 wochen Zeit ein Namensschild zu entwerfen. Zwei Wochen vorher kleben wir Plakate für die
Namensparty/jufo-Gründung. Und stellen eine Woche vorher Holzbrücken im Stadtgebiet als Werbeträger auf. Die
Brücke dient als verbindendes Symbol. Evtl. hilft dort eine Zusammenarbeit mit der Hochschule. Sie findet sich
auch im Logo des jugendForums wieder. Eingeladen sind Jugendliche, Politik, Verwaltung, und wer sich außer den
Medien sonst noch interessiert. Am Gründungstag gehen die Gäste über eine dieser Holzbrücken in unser Haus.
Symbolische Eröffnung:
Im Versammlungsraum gibt es ein 5min. Grußwort vom Jugendsenator. Darum möchten wir ihn
demnächst bitten. Leute von uns werden den jeweils nächsten Teil der Veranstaltung ankündigen. Es folgen Büfett,
junges politisches Kabarett, und Rockmusik. Um Mitternacht ist die Veranstaltung vorbei.
Die Gründungsfahrt:
Ziel des Wochenendes ist es, aus den interessierten Jugendlichen eine Gruppe entstehen zu lassen, die gemeinsam
im jugendForum die Arbeit beginnen. Das kann erreicht werden durch die Animation zu einem gemeinsamen Projekt.
Ebenso müssen die Teilnehmer Grundlagen der Jugendbeteiligung erfahren. Mit dem Tagungsort Zarfzow bei Neubukow
haben wir ein Dorf ausgewählt, das abseits von Bahnhöfen, Eltern und Diskotheken liegt, um zu garantieren, dass
die Teilnehmer nicht abgelenkt werden. Der Teamer wird ab Sonnabend Vormittag anwesend sein und zum Ende auch
das Feedback leiten. Die Teilnehmer erreichen den Ort durch Fahrgemeinschaften und mit einem angemieteten
Kleinbus.
Erste Aktion
Die erste Aktion, sollte zeitlich dicht nach der Gründung erfolgen, damit ein Signal ausgeht von der Gruppe,
das zeigt, dass die Jugendlichen schnell und konsequent dabei sind "ihre Sache" in die Hand zu nehmen. Diese
Aktion wird schon im Vorfeld organisiert. Sie dient vor allem als Werbegag.
Beteiligte+Öffentlichkeitsarbeit:
Grundsätzlich ist das jugendForum für alle Jugendlichen offen. Trotz der Herabsenkung des Wahlalters kann
nicht von einer tatsächlichen Beteiligung Jugendlicher an kommunalen Entscheidungsprozessen gesprochen werden.
Grundlagen und Verständnis von Erwachsenen und Jugendlichen fehlen.
Zielgruppe:
Wir wollen zuerst die Jugendlichen zwischen 14 und 22 erreichen, denen jetzt schon immer alles
wichtig ist. Denn ein Jugendlicher, der sich vornehmlich nicht für gesellschaftlichliche Themen interessier
(z.b Leistungssportler, Jugendliche, die in ihrer Freizeit ausschließlich Computer spielen) ist leider nur
schwer zu begeistern für politische Beteiligung. mit jüngeren Jugendlichen ist es schwer zusammenzuarbeiten,
weil sie von Älteren oft noch als Kinder angesehen werden. Mit Älteren ist es schwer zusammenzuarbeiten, weil
auch sie oft andere Interessen haben. Bei den 14-22-Jährigen lässt sich am ehesten noch ein Teamgefühl
entwickeln.
Unsere Zielgruppe finden wir bei Schülerzeitungsredaktionen, Organisatoren von Schülerclubs, in der
Musikschule. Wir wollen thematische Abende machen, wie Lesungen oder Kabarett. dort fällt es leichter eine
größere Anzahl Jugendlicher anzusprechen, die sich sowieso schon für gesellschaftliche Themen interessieren.
Jugendfragestunden (jfs):
In den letzten drei Jahren führten wir mit dem Jugendhilfeausschuss und dem Stadtjugendring vier
Jugendfragestunden durch, die jeweils von mindestens 100 Jugendlichen besucht wurden. Diese waren ein erster
Versuch Jugendliche mit Politik und Verwaltung ins Gespräch zu bringen. Auch auf Grund der Medienwirksamkeit
der Veranstaltung sprechen wir den jfs Erfolg zu. Dieses gehörte Sprachrohr, wollen wir mit der Qualität der
dritten jfs fortführen. Die jfs soll auch weiterhin dazu dienen, dass wir die "lautesten" Redner herauspicken,
um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Gezielte Werbung bei Jugendtheatergruppen, in der Stadtbibliothek, den jungen Gemeinden sollen uns die
Jugendlichen näher bringen. Auch auf Klassensprecher wollen wir einwirken. Obwohl dabei zu bedenken ist, dass
sich die heute aktiven Jugendlichen nicht mehr in den Schülervertretungsämtern wiederfinden, weil diese
Funktionen selbst von Schülervertretern zu meist als uneffektiv angesehen werden.
Eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit mit Zeitungsartikeln wie vor zwei Jahren und Plakataktionen werden das
unterstützen, ebenso wie das Internetdiskussionsforum www.jugendForum-wismar.de und die Seiten des
Vereins www.jupa-fov.de. So wollen wir auch über diese Schiene an die Ideen für Wismar kommen.
Die "Briefkastenaktion" des SJR und vor allem regelmäßige persönliche Besuche der Jugendlichen in den Clubs und
auf der Straße sind weitere Chancen zum Kontakt.
Dabei ziehen wir den anderen Gruppen nicht ihre Aktiven ab. Denn sie werden ihre Aktivitäten nur um kurzzeitige
Projekte mit uns bereichern wollen. Dabei kann es hilfreich sein, dass die Jugendlichen ihre Hobbys mit in die
Projekte einbringen. Das Projekt muss der eigentlichen Freizeitbeschäftigung nicht widersprechen! Ist das
Projekt abgeschlossen, vermuten wir, werden sich die Jugendlichen wieder ihrem vordergründigen Hobby zuwenden.
Aber auch gerade den Jugendlichen, der sich eher weniger gesellschaftlich engagiert, müssen wir einbinden.
Deshalb hoffen wir auf eine Beispielwirkung die von ersten erfolgreichen Projekten ausgeht. Dabei richten wir
uns zuerst an Leute, die bereits in Clubs oder vor öffentlichen Einrichtungen (Rathaustreppe) "abhängen." Dort
lässt sich ein gemeinsames Problem einer Menge von Jugendlichen leichter ausmachen und gemeinsam bearbeiten.
Erst nach weiteren praktischen Erfahrungen könnten wir uns Jugendlichen zuwenden, denen die Integration in die
Gesellschaft ohnehin schwer fällt.
Kosten+Finanzierung:
Wir wollen verschiedene "Töpfe" nutzen, um unabhängiger zu sein: Spenden, Mitgliedsbeiträge der Mitglieder des
jugendparlament fördervereins und hauptsächlich Gelder von Stiftungen und der Stadt (Projektgelder vom
Jugendamt, freie Sponsoren), etc... dabei kann es für die Arbeit nur förderlich sein, wenn wir über einen
festen Etat verfügen, über den wir unkompliziert ohne lange Antragsverfahren Gelder für Projekte frei vergeben
können.
Geschätzte Kosten der Gründung inkl. Seminar: 2500 €. Die Finanzierung des Seminars ist durch Stiftungsgelder
gesichert. Dazu veranschlagen wir den jährlichen Haushalt für Projekte. Dieser sollte durch einen kommunalen
Grundstock gesichert sein und größtenteils durch andere Gelder auf mindestens 5.000 € aufgefüllt werden. Für
die Realisierung des kommunalen Grundstocks müssen wir noch eine Lösung finden. Wir wissen, dass uns dabei
Verfahrensregeln des Landes im Wege stehen, die eine freiere Mittelvergabe durch das kommunale Jugendamt
verhindern.
Die kommunale Anteilsfinanzierung der Moderatorenstelle hat die Bürgermeisterin mündlich mit 1.500 € zugesagt.
Unsere Hoffnungen stützen sich diesbezüglich auch auf die Zusagen der anderen Kreise, ohne die natürlich die
Realisierung der Moderatorenstelle ausfällt, solange sich das Land nicht vernünftigerweise für eine
vollfinananzierte Stelle entscheidet.
Sobald wir das Geld für die Gründung zusammen haben, legen wir los. Eine finanziele Absicherung für Projeke im
Vorfeld muss ebenso gegeben sein. Wir werden kein jugendForum eröffnen, in dem Jugendliche ihre Ideen äußern
und enttäuscht abwandern, weil dann schließlich doch kein Geld da ist, diese Ideen umzusetzen.
Verhältnis zum Stadtjugendring
Die Zusammenarbeit beschränkt sich vornehmlich auf die Nutzung des Finanzhaushalts, der Technik und der
Büroräume in der Geschäftsstelle. die Arbeit kann sich überschneiden in punkto Jugendorganisationsberatung und
Partizipationsförderunung. Allerdings betreibt der SJR andere Projekte mit anderen Kontakten. Er sieht sich vor
allem als Interessenvertreter der in Vereinen organisierten Jugendlichen. Diese Vertretung wird durch unsere
Idee jugendForum sinnvoll ergänzt. Außerdem gehen die Vorstellungen von Beteiligung in beiden Vereinen weit
auseinander. Wir streben langfristig an, Jugendliche in die kommunale Planung miteinzubeziehen. Das ist aus
unserer Sicht heute noch nicht möglich, ohne entsprechende Ausbildung der beteiligten Jugendlichen und der
Erwachsenen.
Antwort:
Wir hoffen mit diesem Statement/Konzept vorerst die Frage nach einem Jugendparlament in Wismar mit nein und die
Frage nach einem mehr an Beteiligung in unserer Hansestadt mit einem deutlichen ja beantworten zu können.
Auch, wenn wir die Frage nach einem Kinderparlament ausgeklammert haben, heißt das nicht, dass Kinder keine
Demokratie lernen müssen. Gerade bei ihnen muss man anfangen, denn wenn bei Kindern ein Verständnis für Toleranz
und Meinungsvielfalt geschaffen wird, werden sie sich als Jugendliche und Erwachsene besser beteiligen können.
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